Der Koran bietet uns einen wichtigen Ausgangspunkt, um die Rolle der Bienen im Islam zu verstehen. In der sechzehnten Sure, die den Namen „Die Biene“ oder Sure an-Nahl trägt, empfängt die Biene eine direkte Offenbarung von Gott:
Und dein Herr gab der Biene ein Eingebung: „Nehmt euch Wohnstätten in den Bergen, in den Bäumen und in dem, was sie errichten. Esst dann von allen Früchten und folgt den Wegen eures Herrn, die er euch leicht gemacht hat.“ Aus ihrem Bauch kommt ein Getränk von verschiedenen Farben hervor, in dem Heilung für die Menschen liegt. Wahrlich, darin liegt ein Zeichen für die Nachdenklichen. (Sure 16:68-69)
In dieser Sure kommuniziert Gott direkt mit der Biene und verleiht ihr eine besondere Stellung. Während einige Kommentatoren diese Kommunikation als Offenbarung deuten, verstehen andere, insbesondere innerhalb der sunnitischen Tradition, sie eher als göttliche Eingebung. Wie dem auch sei, die Perfektion, mit der Bienen ihre Waben aus exakt geformten Sechsecken bauen, übertrifft die menschlichen Fähigkeiten bei Weitem und wird daher als von Gott inspiriert und geleitet verstanden. Darüber hinaus ist es ihr Gehorsam und ihre Unterwerfung unter den göttlichen Willen, die es ihnen ermöglichen, Honig zu produzieren – ein Vorgang, den Menschen nicht begreifen können.
Honig – eine kraftvolle, aber gefährliche Substanz Wie die Sure uns lehrt, verwandeln Bienen Früchte in Honig, das Getränk in verschiedenen Farben. Die Biene kann Honig nur produzieren, weil sie von Gott geleitet wird. Daher muss Honig auch als Gottes Fähigkeit verstanden werden, die Menschen durch die Bereitstellung wohltuender Substanzen zu unterstützen. Es gibt zahlreiche Beispiele dafür, dass der Prophet Mohammed auf die Kraft des Honigs hinwies, beispielsweise in dieser Überlieferung von Abu Sa'id al-Khudri:
„Ein Mann kam zum Propheten und sagte: ‚Mein Bruder hat Bauchschmerzen.‘ Da sagte der Prophet: ‚Gib ihm Honig zu trinken.‘ Der Mann kam zurück und sagte: ‚O Gesandter Allahs! Es hat seine Krankheit nur verschlimmert!‘ Da sagte der Prophet: ‚Gib ihm Honig zu trinken.‘ Der Mann kam zurück und sagte: ‚O Gesandter Allahs! Es hat seine Krankheit nur verschlimmert!‘ Der Prophet Allahs sagte: ‚Allah hat die Wahrheit gesprochen, und der Bauch deines Bruders hat gelogen. Geh und gib ihm Honig zu trinken.‘ Er ging hin, gab ihm Honig, und er wurde geheilt.“
Wie diese Passage verdeutlicht, heilt Honig nicht aufgrund seiner eigenen Kräfte, sondern weil Gott durch ihn wirkt. Daher wird Honig als heilend verstanden, wenn er mit dem Glauben an Gottes Macht verbunden ist. Die islamische medizinische Literatur, insbesondere die Werke von Ibn Sina, nennt zahlreiche positive Anwendungen von Honig: Er fördert die Verdauung, erhält die Jugendlichkeit, stärkt das Gedächtnis und steigert das Wohlbefinden. Wie in vielen anderen Religionen werden auch im Paradies Honigflüsse beschrieben. Hier finden Sie ein Gespräch mit Dr. Mohamed Adam über die jahrhundertealte, auf Honig basierende Unani-Medizin.
Dennoch birgt Honig auch Gefahren. Dies liegt an der Möglichkeit, ihn zu vergären und daraus Wein herzustellen. Honig kann zu einer Substanz werden, die den Geist beeinträchtigt und daher sozialen und rechtlichen Beschränkungen bedarf.
Einige abschließende Fakten: Im Originaltext des Korans verwendet Gott die weibliche Form, wenn er die Bienen anspricht und sie anweist, sich ein neues Zuhause zu suchen. In der Natur ist dies eine Aufgabe, die ausschließlich von weiblichen Bienen erfüllt wird. Zudem besitzen Bienen 16 Chromosomen – genau wie die Zahl der Sure.