|
MA: Die Unani-Medizin ist eine uralte Medizin. Ich würde sie sogar als die eine Medizin bezeichnen. Früher behandelten sich die Menschen mit dem, was sie in ihrer Umgebung fanden – und genau dort hat alles angefangen. Die Unani-Medizin entwickelte sich in Mesopotamien, in Babylon, und wurde später auch von den Pharaonen übernommen. Die alten Griechen und Römer entwickelten sie weiter. Dort wurde sie von den Lehren Galens, Hippokrates, Empedokles und Aristoteles beeinflusst. Den Namen Unani, was „der Grieche“ bedeutet, gaben ihr die Araber, als sie die Medizin übernahmen. Berühmte Persönlichkeiten wie Avicenna, bekannt aus dem Roman „Der Medicus“ von Noah Gordon, und viele andere setzten ihre Arbeit fort. Später praktizierte auch Hildegard von Bingen die Unani-Medizin. Bis vor 100 oder 200 Jahren nutzte im eurasischen Raum jeder die Unani-Medizin, im Osten wie im Westen. Unani ist eine uralte, klassische Medizin, die sich über Jahrtausende entwickelt hat. Und sie ist der Vorläufer unserer heutigen konventionellen Medizin.
|
|
BfP: Hat die Unani-Medizin religiöse Wurzeln?
MA: Die Unani-Medizin hat keine spezifisch religiöse Ausrichtung. Sie wurde und wird jedoch hauptsächlich von Muslimen praktiziert, insbesondere in Indien, Pakistan und Sri Lanka. Wie bereits erwähnt, gab es aber viele Einflüsse – Galen, Hippokrates, die Pharaonen, Mesopotamien, die Perser. Das ist auch ein gutes Beispiel dafür, wie verschiedene Religionen zusammenwirken und Neues schaffen können. Beispielsweise arbeiteten während der Blütezeit des Islam (ca. 700–1700) viele Christen, Feueranbeter und Juden im Haus der Weisheit in Bagdad gemeinsam an der Entwicklung der Unani-Medizin. |
|
BfP: Wie sind Sie Unani-Praktikerin geworden?
MA: Nun, ich hatte das Glück, da eher zufällig reinzurutschen. Ich war in Indien, und dort kann man Unani an der Universität studieren. Es gibt sogar Abschlüsse auf verschiedenen Ebenen: Bachelor, Master, PhD. Ich habe dort einige Kurse belegt und mich auch sehr intensiv damit auseinandergesetzt. Danach habe ich noch an einer Universität in Pakistan und in anderen Ländern studiert. Ich studiere und praktiziere Unani nun schon seit neun Jahren. In meiner Praxis in Frankfurt kombiniere ich Unani mit klassischer moderner Medizin, Osteopathie, Ayurveda, Traditioneller Chinesischer Medizin und Apitherapie. BfP: Sie sprechen da ein wichtiges Thema an. Wir von Bees for Peace beschäftigen uns hauptsächlich mit Bienen. Sind Bienen oder ihre Produkte wichtig für die Unani-Medizin? Ma: Alle Bienenprodukte werden in der Unani-Medizin verwendet. Nicht nur Honig, sondern auch von den Bienen gesammelter Pollen, Bienenbrot, Gelée Royale und Propolis. Und natürlich Bienengift, Wachs, sogar die Luft im Bienenstock. Bienen geben uns so viel. Viele Salben enthalten beispielsweise Wachs. Honig und seine Inhaltsstoffe sind sehr wirksam und Bestandteil vieler alter Kräuterrezepte. Honig variiert je nach Sorte, Qualität und Herkunft. Bei der Verschreibung von Honig muss ich die Beschwerden analysieren und dann den passenden Honig auswählen. Löwenzahnhonig ist beispielsweise sehr gut für die Gallenblase. Thymianhonig hilft bei Erkältungen der Bronchien und Asthma. Waldhonig stärkt und desinfiziert Wunden. Und dann gibt es noch die Bienenstockluft, die inhaliert werden kann. Sie ist sehr wirksam bei Menschen mit Asthma oder Atemwegserkrankungen, da sie den Schleim löst. Es gibt zum Beispiel einen Bienenwagen, eine Art Wohnwagen mit Bienen, in dem man übernachtet und die Bienenstockluft einatmet. |
|
BfP: Halten Sie selbst Bienen oder engagieren Sie sich im Bienenschutz?
MA: Ich habe bis vorletztes Jahr, vor der Corona-Pandemie, Bienen gehalten. Ich musste sie aber abgeben, weil ich einfach keine Zeit mehr dafür habe. Ich denke aber gerade darüber nach, mir so einen Wagen zu kaufen und mit Imkern aus der Gegend zusammenzuarbeiten. Außerdem engagiere ich mich auf andere Weise im Naturschutz. Wir haben zu Hause eine kleine Bienenweide. Auch die Medizin ist ein wichtiges Thema. Viele Menschen verstehen nicht, dass es auch um sie selbst geht. Wenn man ihnen sagt: „Wir müssen die Bienen retten“, interessiert sie das nicht. Aber wenn man sagt: „Ihr werdet krank, wenn die Natur weiter zerstört wird“, dann wird es plötzlich interessant für sie. |